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Die Autorin Annemarie Postma, geboren 1969, studierte Jura und wurde das erste professionelle Fotomodell Europas mit einer Behinderung. 1995 kam sie in den Playboy, worauf sie in vielen in- und ausländischen Talkshows ein gerngesehener Gast wurde. Inzwischen hat sie sich zu einer erfolgreichen Publizistin und Schriftstellerin entwickelt; sie widmet sich vor allem den Themen Selbstwert und Selbstachtung. Das ist ihrer Meinung nach für die heutigen Menschen und ihre Entwicklung der Dreh- und Angelpunkt. | |
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Ein Interview aus »Kindred Spirit« von 2008, übersetzt von Andreas Lentz Rolle: ModellBezeichnungen wie »behindert« können auf Annemarie Postma nicht zutreffen, denn sie ist sehr wohl in der Lage, alles zu erreichen, was sie sich vornimmt, wie Claire Gillmann herausfand. Hattest du mit elf Jahren, bevor ein nicht behandelter Zeckenbiß dazu führte, daß du in deiner Bewegungsmöglichkeit eingeschränkt wurdest, eine Vision oder einen Traum für die Zukunft? Hast du diesen Traum gekannt? Mein Traum war es, den Menschen bewußt zu machen, wie wir Tiere behandeln. So lang ich mich zurückerinnern kann, war ich empört über die Mißachtung der Tiere, selbst Haustiere – ganz abgesehen von Wildtieren. So war ich schon lange, bevor ich gelähmt war, sehr für den Tierschutz. Jeden Tag nach der Schule ging ich mit einer Petition von Tür zu Tür, um Geld zu sammeln (für Greenpeace an geraden Tagen, für eine Organisation gegen Tierversuche an ungeraden Tagen). Das ist ein ungewöhnlicher Karriereschritt, erst ein Jurastudium, dann Ausbildung zum Fotomodell. Wie bist du mit dem Wechsel von einer intellektuellen Tätigkeit zu einer, in der es um die Erscheinung und das Aussehen geht, zurechtgekommen? Mit dem Modellstehen fing ich an, um mein Studium zu finanzieren. Also ist es nicht so weit ab, wie man meinen möchte. Es war eigentlich gar kein Wechsel für mich. Jemand, der mit den Problemen der Welt mitempfindet, muß deswegen nicht unbedingt jemand sein, der nicht auch gut aussehen oder sich gut fühlen oder sich in seiner Haut wohlfühlen will oder einen Job haben kann, der mit gutem Aussehen zu tun hat. Innere Stärke und Spiritualität schließen keine der Schönheiten der Welt aus, auch nicht die von Menschen geschaffenen. Ich gehe gerne einkaufen, ich mag es, mich um mich selbst zu kümmern, und ich liebe es, mich mit Dingen zu umgeben, die ich schön finde. Für mich war die große Veränderung jene vom Mobil-Sein zum Nicht-mehr-so-mobil-Sein, vom seelischen Frei-Sein zum körperlichen Nicht-mehr-so-frei-Sein. Hast du als erstes professionelles Fotomodell Europas mit einer Behinderung keine Bedenken gehabt, bei dem Shooting für den Playboy? Wurde deine Entscheidung von der Entdeckung der Pfadarbeit (eine Verbindung von Psychotherapie und Spiritualität) von Eva Pierrakos im Jahre 1994 beeinflußt? Nein, ich kenne die Arbeit von Eva Pierrakos sehr gut und schätze sie und habe sie seit meiner Jugend studiert, aber ihre Arbeit hat damit nichts zu tun. Das bin ich. Ich mag »behindert« sein, doch in meinem Denken hat die Wirklichkeit keine Grenzen. In meiner Wirklichkeit ist alles möglich. Das lief mir über den Weg, und ich habe mit beiden Händen zugepackt, denn es versprach, Spaß zu machen und auch wichtig zu sein – um anderen zu zeigen, daß die einzigen Grenzen, die wirklich existieren, die Grenzen in unseren Köpfen sind. So lebe ich mein Leben. Ich glaube nicht, daß ich irgend etwas nicht tun kann, was ich tun will. Wann hast du angefangen, dich für Selbstentfaltung zu interessieren und andere darin zu unterrichten? Und was hat dich insbesondere auf Selbstwertgefühl und Selbstachtung gebracht? Mache ich das nicht schon seit zig Leben? (lacht) Wir sind geistige Wesen, die auf diese Erde kommen, um Menschen zu werden. Solange ich mich erinnern kann, war ich mir dieser Wahrheit bewußt. Mein besonderes Interesse am Selbstwert entwickelte sich während meiner fast fünfjährigen Rehabilitationszeit. Ich fand schnell heraus, daß meine Träume sich immer mehr danach richteten, was die Leute um mich herum unter diesen Umständen für möglich hielten. Das fühlte sich für mich nicht richtig an. Und ich wurde von meinen Eltern darin unterstützt, besonders von meiner Mutter. Sie bestärkte mich immer darin, mir selbst gegenüber wahrhaftig zu sein und mein Schicksal mit Anmut und Würde zu tragen, auf das zu vertrauen, was das Leben mir zu bieten hatte, und daß alles, was mir zustieß, eine Bedeutung hatte und daß ich nie mein Lebensziel aus dem Auge verlieren solle – behindert oder nicht. Du siehst mentale, emotionale, körperliche und geistige Gesundheit als unauflöslich verbunden an. Wenn du selbst einen dieser Aspekte ganzheitlicher Gesundheit vernachlässigst, welcher wäre das? Oder konzentrierst du dich auf einen Aspekt mehr als auf die anderen? Mein Hauptaugenmerk liegt auf meiner geistigen Gesundheit. Ich habe das Gefühl, daß mentale und körperliche Gesundheit sehr überschätzt werden. Du solltest dich in deinem Leben und in deinem Körper zuhause und wohl fühlen; ganz gleich, was das Leben dir abverlangt oder was für Probleme dein Körper hat. Bewußtsein ist sehr viel aufregender als ein Körper! Und ich würde sagen, daß die Intelligenz des Herzens sehr viel genauer und verläßlicher ist als der mentale Intellekt. Wenn es deine Lebensaufgabe ist, anderen Menschen zu helfen, sich selbst besser zu verstehen und ihre wahren Träume zu verwirklichen, wie hat dir dann deine Behinderung geholfen, dieser Bestimmung gerecht zu werden? Meine Behinderung führt zu einer ungeheuer starken Ausrichtung auf meine Lebensziele und verleiht meiner Gegenwart mehr Kraft und Stärke und Glaubwürdigkeit. Und deswegen wurde es meine Rolle, ein Modell und ein Beispiel für viele zu werden – auch wenn es eine Weile gedauert hat, bis ich das kapiert habe. In The Deeper Secret betonst du wie wichtig es ist, daß wir zuerst uns selbst kennen, bevor wir unsere Träume verwirklichen können. Was ist für jene, die ihr Leben lang auf dem Weg der Selbstentfaltung waren, der entscheidende Punkt, den sie vergessen haben? Akzeptanz. Der Fokus sollte sich von »Veränderung ist nötig, damit ich glücklich und erfüllt sein kann« hin zu »Akzeptanz und sich Ergeben in die Wirklichkeit« bewegen. Es geht nicht um das, was wir vom Leben wollen, sondern um das, was das Leben von uns will! Wenn wir ständig damit beschäftigt sind, die Wirklichkeit des Lebens zu verändern, dann verschließen wir uns dieser Wahrheit. Die Dinge müssen nicht besser werden, um gut zu sein. Sie sind schon gut. Gewöhnlich wissen wir das aber nicht, weil unsere Vorstellungen und Konzepte, wie die Wirklichkeit sein sollte, dem im Wege stehen. Die zwölf Schöpfungsgesetze, die du in dem Buch beschreibst, bauen auf dem Konzepten von The Secret von Rhonda Byrne auf, das seinerseits durch ein altes Buch inspiriert wurde. Glaubst du, daß die Alten ein besseres Verständnis von Spiritualität hatten, und sind wir der Wiederentdeckung unserer Verbindung mit dem Göttlichen heute näherkommen? The Secret war ursprünglich natürlich keineswegs ein Geheimnis. Der Grund, weshalb wir universelle Gesetz, wie etwas das Gesetz der Anziehung, nicht mehr verstehen, liegt in der Geschichte der Entwicklung der Menschheit in den letzten Jahrzehnten. Wir entwickelten uns immer mehr in »mentaler« Richtung und nährten die Illusion, daß wir damit über unser Leben eine Kontrolle bekommen. Darum haben wir den Kontakt mit der tieferen Quelle des Wissens und der Weisheit in uns selbst und mit unserer wirklichen Schöpferkraft und inneren Macht verloren haben. Wir haben den Kontakt mit der Herzintelligenz und unserer Intuition verloren und also mit unserem tieferen Wissen, das uns hätte helfen können, in jeder Lage, zu jeder Zeit. Du bist Ehrenbotschafterin der »Niederländischen Stiftung für Behinderte Kinder«, was gefällt dir am besten an dieser Arbeit? Und haben dich die Kinder etwas gelehrt? Ich bin glücklich zu sehen, wie durch die Art, wie ich mein Leben lebe und einfach ich selbst bin und meinen Weg gehe, die behinderten Kinder angeregt werden, trotz aller Widrigkeiten ihre Kraft zu finden und ihr Lebensrecht zu beanspruchen; besonders behinderte Mädchen, die nicht so viele Vorbilder haben (ich hatte keines, als ich im Rollstuhl landete). Wem schreibst du deine grenzenlose Energie und deine Lebenslust zu? Erstens: Ich habe eine sehr gesunde Lebensweise. Ich esse sehr gesund, ich schwimme viel, und jeden Tag verbringe ich dort, wo wir wohnen, viele Stunden draußen im Wald mit unseren Hunden. Und ich passe sehr genau auf die Gedanken auf, die ich denke, und auf die Leute, die ich hereinlasse. Auch Gedanken sind gesund oder »Junkfood«, und auch andere Menschen sind gesund oder »Junkfood«. (Ich habe zwei Bücher über diese Lebensweise geschrieben, weil ich in den letzten Jahren so viele Fragen gestellt bekam, wie es mir trotz der sitzenden Lebensweise gelang, gesund und schlank zu bleiben.) Hast du zur Zeit noch andere Projekte am laufen? Ich habe auch "The Deeper Secret of Love" geschrieben, und es wird ein wunderschönes Geschenkset mit "Deeper Secret Coaching Cards" geben. Und noch ein Buch ist vor kurzem erschienen: Es heißt "Fragen an eine störrische Seele – die Kraft der Kein-Unsinn-Spiritualität". (2010: Im Augenblick arbeite ich an der Fertigstellung eines Buches über die Wichtigkeit von Akzeptanz.) |
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